31.12.06

Vergessene Drehbucharbeiten: STADT ANATOL

Am 16.10.1936 wurde der von der Universum-Film AG (UFA) produzierte Film STADT ANATOL uraufgeführt, im Berliner ‚Ufa-Palast am Zoo’. Regie: Viktor Tourjansky, Darsteller u. a.: Gustav Fröhlich und Brigitte Horney. Der Film erzählt die Geschichte des Abenteurers Jacques Gregor, der in seine Heimatstadt Anatol in der Türkei zurückkehrt, um hier Öl zu fördern. Er stößt auch bald auf das schwarze Gold, aber der Erfolg bringt nicht nur Gutes mit sich. Spekulanten und windige Geschäftemacher kommen nach Anatol.
In offiziellen Filmografien dieses von der UFA-Herstellungsgruppe Alfred Greven hergestellten Films werden als Drehbuchautoren Peter Francke und Walter Supper genannt. Unbekannt ist bis heute, dass auch Thea von Harbou für diesen Film im Jahr 1935 ein Drehbuch verfasste; es war bereits die dritte Drehbuchfassung, nachdem sich zuvor – erfolglos – die Autoren Reinhart Steinbicker und Gerhard Menzel an dem Stoff versucht hatten, dem der gleichnamige Roman von Bernhard Kellermann aus dem Jahr 1932 zugrunde lag. Auch die Ausarbeitung von Thea von Harbou, für die sie 12.000 RM Honorar bekam, wurde vom Vorstand der UFA als nicht brauchbar angesehen, die Herstellung des Films im Jahr 1935 vorerst zurückgestellt. (Vgl. UFA-Protokoll Nr. 1084, 1935, Bundesarchiv Berlin.)
Thea von Harbou ‚verarbeitete’ anschließend anscheinend Teile ihres abgelehnten Drehbuches für den von der Filmgesellschaft Europa-Cine-Allianz hergestellten Film DIE UNMÖGLICHE FRAU (auch: DIE HERRIN VON CAMPINA) (1936), was allerdings auch den Herren der UFA auffiel, die daraufhin in einer Vorstandssitzung beschlossen, von Thea von Harbou das für die Bearbeitung des Stoffes ‚Stadt Anatol’ gezahlte Entgelt zurückzufordern, „im Hinblick auf die Tatsache der Übereinstimmung der Stoffe, …“ (UFA-Protokoll Nr. 1142, 1936, Bundesarchiv Berlin.) Verschiedene Vorgänge in dem Film DIE UNMÖGLICHE FRAU stimmten offensichtlich auch mit Stellen aus dem Drehbuch von Gerhard Menzel für STADT ANATOL überein, das Thea von Harbou bekannt war. Wegen dieses eindeutigen Plagiats sollte Thea von Harbou „das ihr aufgrund des Vertrages vom 1.7.35 für dieses Drehbuch gezahlte Honorar zurückzahlen.“ (UFA-Protokoll Nr. 1167, 1936, Bundesarchiv Berlin.)
Da im UFA-Vorstand aber der Ausgang einer Klage auf Schadenersatz als sehr ungewiss angesehen wurde, beschloss man, die Autorin zuerst schriftlich zum Schadenersatz aufzufordern unter Klageankündigung und erst im Ablehnungsfall die Klage einzureichen. Ein Vergleich sah vor, dass die Hälfte der zu erstattenden Schadenssumme gegen einen Drehbuch-Auftrag verrechnet werden konnte. (Vgl. UFA-Protokoll Nr. 1194, 1936, Bundesarchiv Berlin.) Nach erneuter Prüfung der Sachlage ergab sich dann Ende November 1936, dass eine Klage aussichtslos war, da Thea von Harbou den Auftrag von der Filmgesellschaft Tobis für DIE UNMÖGLICHE FRAU erst ein ¼ Jahr später als den UFA-Auftrag erhalten hatte. Die Angelegenheit wurde daraufhin von der UFA nicht mehr weiterverfolgt. (Vgl. UFA-Protokoll Nr. 1198, 1936, Bundesarchiv Berlin.) (... wird fortgesetzt)

22.12.06

Vergessene Drehbucharbeiten: Sie schrieb und schrieb und ...

... schrieb: In den Jahren 1933 bis 1954 arbeitete Thea von Harbou offiziell an insgesamt 32 Filmen als Drehbuchautorin mit. Entweder schrieb sie alleine das Buch oder bearbeitete (bzw. überarbeitete) das Skript eines anderen Autors. Es gibt aber eine ganze Reihe von Filmen dieser Zeit, an deren Entstehung sie auch beteiligt war, obgleich ihr Name später im Vor- oder Abspann bzw. in den offiziellen Filmografien nicht auftaucht.
Einige ihrer sozusagen inoffiziellen Drehbucharbeiten stellen wir in nächster Zeit im Blog vor, mit dem Ziel der Erstellung einer Liste 'Thea von Harbou. Inoffizielle Drehbucharbeiten. Drehbuch, Bearbeitung, Mitarbeit (1933-1954)'. (... wird fortgesetzt)

14.11.06

Stand Thea von Harbou dem Nazi-Regime wirklich so nahe?

Zweifelsohne war Thea von Harbou (1888 – 1954) eine der besten und auch bestbezahltesten Drehbuchautorinnen in Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie schrieb mit Das Indische Grabmal und Metropolis deutsche Filmgeschichte. Ihre Leistung wurde aber nach dem 2. Weltkrieg bis heute immer wieder geschmälert, in dem man ihr vorwarf, sich zu eng mit dem faschistischen Regime liiert zu haben. Dafür zwei Anschuldigungen aus jüngerer Zeit als Beispiel: „Ebenso erregte Aufsehen, dass die Schriftstellerin und Drehbuchautorin Thea von Harbou, seit 1922 Frau des Halbjuden Fritz Lang, sich 1933 der NS-Propaganda an den Hals wirft und sich scheiden lässt.“ (Hitlers Deutsche von Hans-Jürgen Eitner, Katz Verlag 1991, Seite 114) oder
„Langs damalige Ehefrau Thea von Harbou hatte den Film in einem eklektischen Stil geschrieben, und ihre eigene Philosophie, die sie bald in die Arme der Nazis treiben sollte, wurde von Lang bebildert.“ (Das Blättchen Ausgabe 16/2003 von F.B. Babel, Artikel Metropolis 2003)
Ähnliche Einschätzungen gibt es auch von anderen Schriftstellern, Journalisten, Historikern oder Kulturwissenschaftlern, aber mir ist aufgefallen, dass fast alles nur pauschale Behauptungen ohne weitere Begründungen dieser Kritiker sind, die meisten von ihnen scheinen von einer mir nicht bekannten Quelle abgeschrieben zu haben.
Es ist deshalb mein Anliegen, zu einer, meiner Meinung nach längst fälligen Ehrenrettung der Thea von Harbou beizutragen, zumindest mit den Beweisen, die mir bis jetzt zur Verfügung stehen. Gern lasse ich mich vom Gegenteil überzeugen, wenn man mir entsprechende Beweise in Schrift- oder Bildform vorlegt.
Thea von Harbou war sicher deutschnational eingestellt, das zeigen besonders ihre frühen Romane und Novellen aus der Zeit des 1. Weltkrieges, aber sie deshalb in eine Reihe mit den deutschen Faschisten zu stellen, wäre zu weit gegriffen. Mir sind kein Drehbuch, keine Veröffentlichung und keine Erklärung der Thea von Harbou in der Zeit von 1933 – 1945 bekannt, die eine besondere Nähe zum Nazi-Regime dokumentieren würden.
Ihre negative politische Beurteilung begann offensichtlich mit der Tatsache, dass sie ihrem Ehemann Fritz Lang nicht in die Emigration nach Amerika begleitete sondern in Deutschland blieb und sich scheiden ließ. Er, der deutsche Halbjude, wurde damit automatisch zum Antifaschisten und sie in eine gegenteilige Position hinein gedrängt. Auch sind mir nur wenige, geradezu simple Anschuldigungen bekannt, die Frau von Harbou zur angeblichen Anhängerin der Nazis abstempeln. So soll sie in ihrem Arbeitszimmer ein Bild von Hitler gehabt haben, wer hatte das in dieser Zeit nicht?, dazu aber eben auch ein Bild von Gandhi; sie soll bereits 1932 in die NSDAP eingetreten sein, was aber nicht stimmt. Sie wurde erst 1941 Mitglied, und das offensichtlich nur, um den von ihr betreuten indischen Studenten besser oder überhaupt nur helfen zu können.
Kaum einer ihrer Kritiker kennt ihren Einsatz für die während des 2. Weltkrieges in Berlin lebenden und studierenden Inder und würdigt ihr politisches, gesellschaftliches und finanzielles Engagement für sie.
Durch Befragung einer ihrer Sekretärinnen aus der Zeit des Krieges bin ich zu einem weitaus positiverem politischen Bild der Thea von Harbou gekommen. Michaela Purzner aus Wien hatte 1940 ihren indischen Freund P.B. Sarma nach Berlin begleitet, als er von Thea von Harbou ein Stipendium für eine Aspirantur vermittelt bekam, weil nach Ausbruch des Krieges alle Finanzierungsmöglichkeiten für eine Fortsetzung seines Chemie-Studiums abgebrochen waren. Fräulein Purzner, spätere Frau Sarma, widersprach persönlich vehement allen Kritiken und Kritikern an Frau von Harbou. Sie sagte mir, dass Thea von Harbou nie und nimmer eine Anhängerin des Faschismus gewesen sei und gibt dafür mehrere Gründe und Beispiele an. So soll Thea von Harbou einer früheren jüdischen Sekretärin sowie dem jüdischen Schauspieler Alfred Abel zur Ausreise aus Deutschland verholfen haben. Auch hätte sie in bestimmter Form gegen die Rassengesetze der Nazis verstoßen, als sie sich Mitte der 30er Jahre einen indischen Freund und Liebhaber zulegte. Dieser A.G. Tendulkar verließ 1938 nach Abschluss seiner Dissertation Deutschland, nicht ohne ihr die Fürsorge für die hier verbleibenden indischen Studenten ans Herz zu legen. Eigentlich wollte Thea von Harbou ihrem wesentlich jüngeren Freund später nach Indien folgen, aber die weltpolitischen Ereignisse verhinderten dies.
Thea von Harbou hat in der Zeit von 1939 bis 1945 wahrscheinlich mehr als eine Million Reichsmark für die ihr so am Herzen liegenden Inder in Berlin und Deutschland ausgegeben. Sie vermittelte und bezahlte Stipendien, Unterkünfte, Kleidung und Verpflegung für die ca. 40 bis 50 Inder, die nach Ausbruch des Krieges Deutschland nicht mehr verlassen konnten und von heimatlicher Unterstützung abgeschnitten waren. Wer weiß, was sonst aus diesen durch die Umstände gestrandeten Indern im faschistischen und rassistischen Deutschland geworden wäre. Diese Unterstützung brachte sie auch in unmittelbare Nähe zu den indischen Freiheitskämpfern um Subhas Chandra Bose. Das war auch der Grund, weshalb sie nach Beendigung des Krieges ein Jahr lang von den Briten interniert wurde, nicht wegen irgendwelcher Nähe zum Nazi-Regime.
Frau Sarma berichtete mir noch von einem Ereignis, das bestimmt auch einen Abstand von Frau von Harbou zum Regime dokumentiert. Demnach wollte sie am 22. Juni 1941 das Pokalspiel im Fußball zwischen Schalke 04 und Rapid Wien ansehen und sie hatte auch die begehrte Eintrittskarte dafür. Als aber am Morgen dieses Tages die Nachricht vom Einmarsch in die UdSSR ausgestrahlt wurde, sagte sie leise zu ihren Mitarbeitern:“ Jetzt haben wir den Krieg verloren!“ und sie war nicht mehr in der Stimmung, sich das Spiel anzusehen.
Diese hier von mir angeführten Beispiele erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie möchten aber zu einer Diskussion über diese sicher große Künstlerin und eine ihr zustehende gesellschaftliche und politische Einordnung beitragen. Unterstützende oder gegenteilige Meinungen und Beiträge zu diesem Thema sind gefragt und willkommen.

21.9.06

Thea von Harbous Prosa zur Zeit um den Ersten Weltkrieg

Thea von Harbous Karriere als Schriftstellerin ging ihrer Laufbahn als Drehbuchautorin voraus; beide Wege kreuzten sich im Jahr 1919 in der Erstellung des Drehbuches zu dem Joe-May-Film Die Legende von der heiligen Simplicia - verfaßt nach ihrer eigenen Erzählung. Von nun an ist Thea von Harbou Prosaschriftstellerin und Drehbuchautorin zugleich - wie sie zuvor Schauspielerin und Schriftstellerin war. Ihre Doppelrolle nutzt sie fortan, um einen neuartigen Medienverbund zu etablieren, indem sie künstlerische Produktionsprozesse parallelisiert und die Veröffentlichungen von Buch und Film aufeinander abstimmt: Man denke hier nur an Die Nibelungen (Das Nibelungenbuch) oder Metropolis.

Während aber die Filmarbeiten Thea von Harbous weitgehend erforscht sind, sind ihre Prosaarbeiten bisher von der Forschung kaum berücksichtigt worden. Anhand der Analyse eines exemplarischen Erzähltextes Thea von Harbous soll an dieser Stelle ein Einblick in Kompositionsprinzipien und Erzählstrategien ihrer Prosaarbeiten in der Zeit um den Ersten Weltkrieg gegeben werden. Die Erzählung „Der stumme Teich“ aus dem Sammelband Deutsche Frauen. Bilder stillen Heldentums aus dem Jahre 1914 kann diesbezüglich als typisch erachtet werden.

Die vollständige Analyse finden sie hier.

3.9.06

DER ALTE UND DER JUNGE KÖNIG auf DVD

Geschichtsfilm und zugleich eine packende Darstellung eines tragischen Vater-Sohn-Konfliktes: DER ALTE UND DER JUNGE KÖNIG; Regie: Hans Steinhoff; Drehbuch: Thea von Harbou, Rolf Lauckner, Darsteller u.a. Emil Jannings und Werner Hinz, in seiner ersten Filmrolle. Der Film erhielt 1935 das Prädikat ‚Staatspolitisch und künstlerisch besonders wertvoll, volksbildend’. Nach 1945 wurde seine Vorführung von der Alliierten Militärregierung in Deutschland verboten. Erst 1961 konnte DER ALTE UND DER JUNGE KÖNIG wieder in Westdeutschland gezeigt werden; die ‚Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft’ gab den Film auch für Kinder ab 12 Jahren frei; die ‚Katholische Filmkommission für Deutschland’ empfahl ihn als ‚geeignet auch für die Jugend, ab etwa 14 Jahren’.

In einer Artikelreihe werden wir uns im Jahr 2007 mit diesem Dokument des nationalsozialistischen Films beschäftigen, der in seine spannende historische Handlung gelegentlich gängige Propagandasprüche seiner Gegenwart einflocht.

22.8.06

TV-Dokumentation über Thea von Harbou

Der australische Filmemacher Richard Gilzean, der eine TV-Dokumentation über das schriftstellerische und filmische Schaffen Thea von Harbous vorbereitet, stellt sich im Thea von Harbou-Weblog vor:

Zur Dokumentation

Life for the German author Thea von Harbou was to play itself out in a manner befitting one of her own melodramas. In 1954, Von Harbou was invited to attend the Berlin Film Festival for a screening of her first film collaboration with Fritz Lang, ‘The Weary Death’. As the end credits rolled, von Harbou stand and receives the audience’s applause. Upon leaving the cinema she stumbles and falls heavily. She dies a few days later in hospital.

Born in 1888, the young Thea was a precocious child: fluent in English and French, an accomplished pianist and an avid reader of the classics, drama, and poetry. She had written animal stories and, at 14 years, had her work published. This young woman, who subscribed to the Kaiser’s dictum that German women should serve ‘children, church and kitchen’, soon chose one of the few options available to independent women; she became a theatre actress. She marries the actor and theatre director, Rudolf Klein-Rogge. Her career as an author dates from 1910 with a series of popular melodramatic novels that reflected the prevailing spirit of nationalism. Eschewing any notion of herself as an artist, von Harbou asserted that she was ‘a servant of the State and the Fatherland’.

Von Harbou was to serve as a screenwriter and muse for influential men. Upon arriving in Weimar Berlin, she switches careers from acting to full-time writing. At 29, she is introduced to the monocled and debonair Austrian director, Fritz Lang. An instant kinship is formed and von Harbou leaves her husband for Lang. Controversy surrounds the affair with conflicting accounts of the shooting death of Lang’s wife, Lisa Rosenthal, after she found her husband in the arms of Thea von Harbou.

Von Harbou was one of the most renowned and one of the most reviled figures in the history of German cinema, depending upon which decade one is talking about. Over the course of her career she would write more than 100 published works, including 50 screenplays. She was a serious, deeply philosophical writer, her work encompassing conflicts that reflected a social conscience and underpinned by her conservative, nationalist idealism. She found her métier in the hermetic and apolitical dream world of the German film industry; a creative hot-house that catered to both the avant-garde and entertainment films for the masses.

In the 1920’s and 1930’s, von Harbou emerged as one of the most accomplished scenarists in the German filmwelt, recognised for her ability to transform a description in literature to the imagery of film. She collaborated with Weimar Germany’s most prominent directors and producers including F.W. Murnau, Carl Dreyer, Veit Harlan and the Head of Ufa, Eric Pommer. But it was her contribution to Lang’s films for which she is best known. Von Harbou played a vital collaborative role in the German films of her husband Fritz Lang from 1919 till 1933. Von Harbou wrote the screenplays and novels for Lang’s films M (Murderer Among Us), The Indian Tomb, Das Wandernde Bild, Fighting Hearts, The Weary Death, Dr. Mabuse, the Gambler, The Nibelungs, Metropolis, Spies, Woman in the Moon, and The Last Will of Dr. Mabuse.

Lang and von Harbou’s marriage merely serves to consolidate their creative partnership. Over the next few years, Lang’s penchant for glamorous starlets sees von Harbou’s ardour for her husband wane. She meets and falls in love with a young Indian radical, Ayi Tendulkar. At the same time her interest in National Socialism is kindled. Her admiration for Nazi pageantry and their call for a return to traditional values serving blinding her to the Fuhrer’s more sinister agendas.With the Nazi’s in power, Lang flees Germany to begin a new filmmaking career in America, while von Harbou is recruited into writing and script doctoring for the Third Reich.

At the end of the war, she is interned by the Allied forces as a Nazi collaborator; a charge she would continue to deny. Upon her release, she returns to Berlin and sets about to rebuild her writing career. In the quiet of a sound studio, where she works as a voice-over artist for British and Hollywood films, this now old and frail woman slips in and out of her own reveries in front of the films of her era.

The story of Thea von Harbou is the story of an enigmatic and complex woman. Von Harbou’s writing reflected a philosophy of individual renewal of spirit and imagination, but she came to understand that social justice would require more than private philosophising: one had to take a principled stand and bring others along. She was an outspoken advocate of legalized abortion in Germany, an activist for reform of sex discrimination legislation, and a protector of the displaced Indian community trapped inside Nazi Berlin during the War.

Zur Person


I live in Sydney, Australia with my German wife. At a family dinner in 1993, in a Munich restaurant, I was introduced to a woman who claimed to be “the niece of the woman who wrote all of Fritz Lang’s German films”. My cineaste curiosity aroused, I have been researching and writing on Thea von Harbou ever since. In between my bouts of thinking and writing about Thea von Harbou, I have completed my BA in Communications (Honours) at the University of Technology, Sydney. My other writing projects draw on historical characters. They include a television-drama series based on real life characters that formed ‘The Push’; a group of anarchist bohemians that thrived in the pubs of 1950’s Sydney. I am also working on a documentary about the Australian sculptor Barbara Tribe.

Richard Gilzean ist zu erreichen unter richgilz@gmail.com

9.8.06

METROPOLIS ein Plagiat? (Teil 4)

Bereits Anfang März 1929 fällte das Amtsgericht Berlin-Mitte seine endgültige Entscheidung in der Privatklage Wanda Döbbecke gegen die Drehbuchautorin des Films METROPOLIS, Thea von Harbou, den Regisseur des Films, Fritz Lang, und die Filmgesellschaft Ufa, die ihn produziert hatte. Wanda Döbbecke, unbekannte, erfolglose Schriftstellerin, hatte behauptet, der Film METROPOLIS sei ein Plagiat, basiere auf einem Manuskript gleichen Titels von ihr.
Das Gericht wies die Privatklage als unzulässig kostenpflichtig zurück. In seiner Begründung führte es an, dass die Klage gegen die Filmgesellschaft Ufa schon aus dem Grunde unzulässig sei, weil eine juristische Person als solche im ordentlichen Strafverfahren nicht verfolgt werden könne. Die Privatklage gegen die Beschuldigten sei auch deshalb abzulehnen, weil die Antragsfrist gemäß § 61 des Strafgesetzbuches versäumt worden sei. Es stehe fest, dass die Privatklägerin bereits erheblich früher als drei Monate vorher von Tat und Täter ausreichend Kenntnis gehabt habe. (Vgl.: Klage gegen Metropolis abgewiesen. In: Kinematograph (Berlin). Nr. 55, 06.03.1929)
Wanda Döbbecke ließ aber in der Verhandlung nicht locker und behauptete daraufhin, sie habe die volle Gewissheit von der Tatsache eines Plagiats erst durch ein Sachverständigen-Gutachten vom 8. April 1928 erlangt. (Vgl.: Die Plagiat-Klage gegen Frau von Harbou abgewiesen. In: Ufa-Dienst (Berlin). Nr. 12, 06.03.1929) Trotz wiederholten Ersuchens des Gerichts lehnte es aber der Prozessbevollmächtigte von Wanda Döbbecke, Rechtsanwalt Dr. Frey, ab, dass bei seinen Akten befindliche Gutachten vorzulegen.
‚Viel Lärm um nichts’, so kann man das Fazit nach den beiden Gerichtsterminen, dem Plagiat-Vorwurf, ziehen. Für Wanda Döbbecke war es sicherlich eine willkommene Gelegenheit, mehr auf sich aufmerksam zu machen - allerdings letztendlich ergebnislos, da sie auch weiterhin erfolglos als Schriftstellerin arbeitete. Ihre Niederlage bei Gericht, besonders gegen die Autorin Thea von Harbou, verwand sie so schnell nicht; bereits im Sommer des gleichen Jahres verbreiteten sie und ihr Rechtsanwalt die Meldung eines polnischen Blattes, dass Thea von Harbou für ihren neuesten Film DIE FRAU IM MOND einen von dem polnischen Schriftsteller Jerzy Zulawski verfassten Roman, ‚Auf silbernen Gefilden’, plagiiert habe. (Vgl.: Felix der Kater (Revue des Monats): Hetze gegen Fritz Lang und Thea v. Harbou. In: Die Filmbühne. Heft 7, Juli/August 1929)

3.8.06

METROPOLIS ein Plagiat? (Teil 3)

22. Februar 1929: endlich Sühnetermin vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte. Der Anlass: eine Privatklage der fast vollständig unbekannten Schriftstellerin Wanda Döbbecke gegen die Autorin Thea von Harbou, den Regisseur Fritz Lang und die Filmgesellschaft Ufa. Der Grund der Klage: Nicht nur der Name des Films METROPOLIS stimme mit einem Manuskript von Wanda Döbbecke überein, auch der Inhalt wäre so ähnlich, dass von einem Plagiat gesprochen werden müsse.
Die Drehbuchautorin Thea von Harbou erzählte beim Sühnetermin die Entstehungsgeschichte von METROPOLIS, wie sie in Gemeinschaft mit ihrem Mann Fritz Lang auf die Idee des Films und vor allem auch auf den Namen gekommen sei. Sie gab die Erklärung ab, dass sie von dem Manuskript ‚Metropolis’ der Frau Döbbecke weder etwas gehört noch gesehen habe.
Den Titel METROPOLIS habe man nach langen Überlegungen und nach Ablehnung von zwei anderen durch Fachleute wegen seiner Internationalität gewählt. Ihr sei nur ein Upton Sinclair-Buch gleichen Namens bekannt gewesen; der betreffende Verlag hätte sich nach Rücksprache mit dem Filmtitel einverstanden erklärt. Das Drehbuch habe eine ganze Anzahl von Etappen durchlaufen. Wenn auch in dem Manuskript von Frau Döbbecke wie in dem Film die sozialen Gegensätze gezeigt würden, so sei dies kein Gegenbeweis, denn es habe in den letzten zehn Jahren wohl keinen ernsten, modernen Film gegeben, wo das nicht der Fall gewesen wäre. (Vgl.: E.v.B.: Dreimal „Metropolis“. Thea von Harbous Drehbuch. In: ‚Film-Kurier’ (Berlin). Nr. 48, 23.02.1929)
Die Gegenpartei - so meldeten es die ‚Ufa-Nachrichten’ (Berlin). Nr. 29, 22.02.1929 - war beim Sühnetermin nicht in der Lage, irgend ein Gutachten vorzulegen, hinsichtlich einer eventuellen Ähnlichkeit zwischen dem Manuskript von Frau Döbbecke und dem Thea von Harbou-/Fritz Lang-Film. Am Ende des Termins legte das Amtsgericht Wanda Döbbecke und ihrem Rechtsanwalt Dr. Frey nahe, die Klage zurückzuziehen, was beide aber ablehnten. Die Verhandlung wurde geschlossen und die Verkündung der Entscheidung, ob dem Verfahren weiter Folge gegeben werden soll, für die nächsten Tage in Aussicht gestellt. (… wird fortgesetzt)

1.8.06

DVD-Studienfassung von METROPOLIS

Unter der Regie von Enno Patalas ist an der Universität der Künste Berlin eine DVD-Studienfassung des Filmklassikers METROPOLIS erschienen. Das wegweisende Projekt nutzt die "DVD als Medium kritischer Filmedition" und "steht als Studienausgabe aus editionsphilologischer Sicht zwischen einer historisch-kritischen Ausgabe und einer Leseausgabe". Die Studienfassung trägt somit der nur fragmentarischen Überlieferung des als erstem Film in das Unesco Weltkulturerbe aufgenommenen METROPOLIS Rechnung.

Weitere Information zu der DVD und das Bestellformular für die wissenschaftliche Nutzung der Studienfassung finden sich unter http://www.filminstitut.udk-berlin.de/MKF/html/pages/filme/metropolis.html

26.7.06

METROPOLIS ein Plagiat? (Teil 2)

Die in der Öffentlichkeit nahezu völlig unbekannte Schriftstellerin Wanda Döbbecke gegen Thea von Harbou, Fritz Lang und die Filmgesellschaft Ufa. Ihr Vorwurf: METROPOLIS ein Plagiat! Dr. Carl Hänsel, der die Drehbuchautorin des Films, Thea von Harbou, juristisch vertrat, stellte in einer Presseerklärung, unter anderem abgedruckt in der Filmzeitschrift ‚Kinematograph’, Nr. 7, 09.01.1929, klar: Kein Strafgericht hat ein Verfahren eröffnet, von keiner Staatsanwaltschaft wird eine Anklage vertreten. Es liege lediglich eine Privatklage vom August 1928 vor, woraufhin das Berliner Amtsgericht einen Sühnetermin anberaumt habe. Dieser Sühnetermin hätte am 7. Januar 1929 stattfinden sollen, sei aber wegen Erkrankung des Prozessbevollmächtigten der Privatklägerin erst einmal abgesetzt worden. Frau von Harbou bedaure dies, da ihr daran liege, möglichst bald in aller Öffentlichkeit zu dieser Angelegenheit Stellung zu nehmen.
Dr. Carl Hänsel äußerte auch noch einmal sein Unverständnis darüber, dass der Vorwurf eines Plagiats erst circa eineinhalb Jahre nach der Premiere des Films erhoben werde, obwohl aktenkundig sei, dass die klagende Dame den Film schon bei der Premiere gekannt habe.
Es sollte bis zum 22. Februar 1929 dauern, bis endlich vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte im Plagiat-Prozess ein Sühnetermin stattfinden konnte. (…wird fortgesetzt)

20.7.06

METROPOLIS ein Plagiat?

Ende 1928, Anfang 1929, circa zwei Jahre nach der Premiere des Films, nach dem METROPOLIS in beinahe allen Ländern der Welt gelaufen war, tauchten in der Presse Nachrichten auf, vor dem Berliner Amtsgericht stehe eine Verhandlung gegen Thea von Harbou, Fritz Lang und die Filmgesellschaft Ufa an; sie seien wegen Verletzung des Urheberrechts angeklagt.

Strafanzeige hatte die wohl weitgehend unbekannte Schriftstellerin Wanda Döbbecke (Schreibweise in der Presse auch manchmal Doebicke, R.K.) gestellt. Sie hatte bei der Ufa bereits Mitte der 1920er Jahre ein Manuskript mit dem Titel ‚Metropolis’ eingereicht, das, so steht es im ‚Film-Kurier’, Nr. 48, 23.02.1929, sogar von einem Direktor der Ufa höchstpersönlich aus der Wohnung des Gatten von Frau Döbbecke abgeholt worden war. Nicht nur der Titel stimme, so Rechtsanwalt Dr. Frey, der Frau Wanda Döbbecke juristisch vertrat, mit dem späteren Film METROPOLIS überein, auch der Inhalt wäre so ähnlich, dass von einem Plagiat gesprochen werden müsse (vgl. ‚Film-Kurier’, ebd.).

Nun hatten die Juristen das Wort und als Nächster ergriff es Rechtsanwalt Dr. Carl Hänsel, Sachwalter von Frau Thea von Harbou-Lang. (…wird fortgesetzt)

14.7.06

Thea v. Harbous Schriften zum Ersten Weltkrieg

An der Universität zu Köln schreibt z. Zt. Andre Kagelmann an einer Dissertation zum Thema: Der Krieg und die Frau. Thea von Harbous Schriften zum Ersten Weltkrieg.

Die kriegsliterarischen Arbeiten Thea von Harbous in der Zeit um den Ersten Weltkrieg werden in erster Linie erzähltextanalytisch untersucht, um sie in ihrer literarischen Spezifik erfassen zu können. Thematisch wird insbesondere die didaktisch-rhetorische Prägung der Kriegsprosa Harbous einer Analyse unterzogen. Des weiteren werden über das kriegsliterarische Werk transportierte Werthaltungen ins Auge gefaßt, wie sie insbesondere in den Kriegsdarstellungen sowie der Verortung von Männern und Frauen in spezifischen Geschlechterrollen zum Ausdruck kommen. Diese Werthaltungen werden wiederum in ihren zeitgenössischen politischen, sozialen und kulturellen Kontexten verortet. Die Arbeit versteht sich auch als eine literaturwissenschaftliche Ergänzung zu den bisher primär filmwissenschaftlichen Forschungen zum Œuvre Thea von Harbous.

Andre Kagelmann ist zu erreichen: Andre.Kagelmann@uni-koeln.de

28.6.06

Willkommen im Thea von Harbou-Blog

Thea von Harbou (1888 - 1954) war die bedeutendste Drehbuchautorin der Stumm­filmzeit bzw. der Weimarer Republik und eine der Vor­zeige-Kultur­schaffenden im Nationalsozialismus. Außerhalb eines kleinen Kreises von Filminteressierten ist die Autorin von Meilensteinen der Filmgeschichte wie Die Nibelungen oder Metropolis heute jedoch allenfalls als Ehefrau von Fritz Lang bekannt - und in diesem Zusammenhang als kitschverliebte Nazisse verpönt.

Ziel dieses Blogs soll es sein, Person und Œuvre einem weiteren Kreis von Interessierten bekannt zu machen, nicht jedoch zu apologetisieren. Vielmehr wird beabsichtigt, ein differenzierteres Bild von Person und Werk zu zeichnen; dieser Werk- und Lebensschau liegen - sine ira et studio - wissenschaftliche Standards zugrunde.

Zwei Aspekte müssen zur Erfüllung unserer Zielsetzung berücksichtigt werden. Erstens: Der Blick auf Thea von Harbous Œuvre darf nicht auf die Zeit des Nationalsozialismus verengt werden, sondern muß ihr gesamtes Schaffen berücksichtigen. Daraus folgt zweitens: Thea von Harbou war eben nicht nur Filmschaffende, sondern sie war auch eine der auflagenstärksten Unterhaltungsschriftstellerinnen im späten Kaiserreich und der Weimarer Republik, die mehr als 30 Prosaarbeiten verschiedener Genres ver­öffentlichte. Außerdem war sie von 1906 bis 1914 als Schauspielerin an mehreren Theatern engagiert. Daher müssen Harbous Filmarbeiten in der Weimarer Republik, im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit in Verbindung gesetzt werden mit ihrem literarischen Schaffen und ihrer Biographie: Dabei sollen Entwicklungslinien aufgezeigt sowie Zusammenhänge und Brüche transparent gemacht werden, so daß ein Überblick über das gesamte Œuvre Thea von Harbous entstehen kann.

Diese Zielsetzung erfordert per se einen interdisziplinären Zugriff, der film- und literaturwissenschaftliche Fragestellungen verbindet und neben künstlerischen Kontextualisierungen auch historische Einordnungen erfordert.