28.6.06

Willkommen im Thea von Harbou-Blog

Thea von Harbou (1888 - 1954) war die bedeutendste Drehbuchautorin der Stumm­filmzeit bzw. der Weimarer Republik und eine der Vor­zeige-Kultur­schaffenden im Nationalsozialismus. Außerhalb eines kleinen Kreises von Filminteressierten ist die Autorin von Meilensteinen der Filmgeschichte wie Die Nibelungen oder Metropolis heute jedoch allenfalls als Ehefrau von Fritz Lang bekannt - und in diesem Zusammenhang als kitschverliebte Nazisse verpönt.

Ziel dieses Blogs soll es sein, Person und Œuvre einem weiteren Kreis von Interessierten bekannt zu machen, nicht jedoch zu apologetisieren. Vielmehr wird beabsichtigt, ein differenzierteres Bild von Person und Werk zu zeichnen; dieser Werk- und Lebensschau liegen - sine ira et studio - wissenschaftliche Standards zugrunde.

Zwei Aspekte müssen zur Erfüllung unserer Zielsetzung berücksichtigt werden. Erstens: Der Blick auf Thea von Harbous Œuvre darf nicht auf die Zeit des Nationalsozialismus verengt werden, sondern muß ihr gesamtes Schaffen berücksichtigen. Daraus folgt zweitens: Thea von Harbou war eben nicht nur Filmschaffende, sondern sie war auch eine der auflagenstärksten Unterhaltungsschriftstellerinnen im späten Kaiserreich und der Weimarer Republik, die mehr als 30 Prosaarbeiten verschiedener Genres ver­öffentlichte. Außerdem war sie von 1906 bis 1914 als Schauspielerin an mehreren Theatern engagiert. Daher müssen Harbous Filmarbeiten in der Weimarer Republik, im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit in Verbindung gesetzt werden mit ihrem literarischen Schaffen und ihrer Biographie: Dabei sollen Entwicklungslinien aufgezeigt sowie Zusammenhänge und Brüche transparent gemacht werden, so daß ein Überblick über das gesamte Œuvre Thea von Harbous entstehen kann.

Diese Zielsetzung erfordert per se einen interdisziplinären Zugriff, der film- und literaturwissenschaftliche Fragestellungen verbindet und neben künstlerischen Kontextualisierungen auch historische Einordnungen erfordert.