31.12.06

Vergessene Drehbucharbeiten: STADT ANATOL

Am 16.10.1936 wurde der von der Universum-Film AG (UFA) produzierte Film STADT ANATOL uraufgeführt, im Berliner ‚Ufa-Palast am Zoo’. Regie: Viktor Tourjansky, Darsteller u. a.: Gustav Fröhlich und Brigitte Horney. Der Film erzählt die Geschichte des Abenteurers Jacques Gregor, der in seine Heimatstadt Anatol in der Türkei zurückkehrt, um hier Öl zu fördern. Er stößt auch bald auf das schwarze Gold, aber der Erfolg bringt nicht nur Gutes mit sich. Spekulanten und windige Geschäftemacher kommen nach Anatol.
In offiziellen Filmografien dieses von der UFA-Herstellungsgruppe Alfred Greven hergestellten Films werden als Drehbuchautoren Peter Francke und Walter Supper genannt. Unbekannt ist bis heute, dass auch Thea von Harbou für diesen Film im Jahr 1935 ein Drehbuch verfasste; es war bereits die dritte Drehbuchfassung, nachdem sich zuvor – erfolglos – die Autoren Reinhart Steinbicker und Gerhard Menzel an dem Stoff versucht hatten, dem der gleichnamige Roman von Bernhard Kellermann aus dem Jahr 1932 zugrunde lag. Auch die Ausarbeitung von Thea von Harbou, für die sie 12.000 RM Honorar bekam, wurde vom Vorstand der UFA als nicht brauchbar angesehen, die Herstellung des Films im Jahr 1935 vorerst zurückgestellt. (Vgl. UFA-Protokoll Nr. 1084, 1935, Bundesarchiv Berlin.)
Thea von Harbou ‚verarbeitete’ anschließend anscheinend Teile ihres abgelehnten Drehbuches für den von der Filmgesellschaft Europa-Cine-Allianz hergestellten Film DIE UNMÖGLICHE FRAU (auch: DIE HERRIN VON CAMPINA) (1936), was allerdings auch den Herren der UFA auffiel, die daraufhin in einer Vorstandssitzung beschlossen, von Thea von Harbou das für die Bearbeitung des Stoffes ‚Stadt Anatol’ gezahlte Entgelt zurückzufordern, „im Hinblick auf die Tatsache der Übereinstimmung der Stoffe, …“ (UFA-Protokoll Nr. 1142, 1936, Bundesarchiv Berlin.) Verschiedene Vorgänge in dem Film DIE UNMÖGLICHE FRAU stimmten offensichtlich auch mit Stellen aus dem Drehbuch von Gerhard Menzel für STADT ANATOL überein, das Thea von Harbou bekannt war. Wegen dieses eindeutigen Plagiats sollte Thea von Harbou „das ihr aufgrund des Vertrages vom 1.7.35 für dieses Drehbuch gezahlte Honorar zurückzahlen.“ (UFA-Protokoll Nr. 1167, 1936, Bundesarchiv Berlin.)
Da im UFA-Vorstand aber der Ausgang einer Klage auf Schadenersatz als sehr ungewiss angesehen wurde, beschloss man, die Autorin zuerst schriftlich zum Schadenersatz aufzufordern unter Klageankündigung und erst im Ablehnungsfall die Klage einzureichen. Ein Vergleich sah vor, dass die Hälfte der zu erstattenden Schadenssumme gegen einen Drehbuch-Auftrag verrechnet werden konnte. (Vgl. UFA-Protokoll Nr. 1194, 1936, Bundesarchiv Berlin.) Nach erneuter Prüfung der Sachlage ergab sich dann Ende November 1936, dass eine Klage aussichtslos war, da Thea von Harbou den Auftrag von der Filmgesellschaft Tobis für DIE UNMÖGLICHE FRAU erst ein ¼ Jahr später als den UFA-Auftrag erhalten hatte. Die Angelegenheit wurde daraufhin von der UFA nicht mehr weiterverfolgt. (Vgl. UFA-Protokoll Nr. 1198, 1936, Bundesarchiv Berlin.) (... wird fortgesetzt)

22.12.06

Vergessene Drehbucharbeiten: Sie schrieb und schrieb und ...

... schrieb: In den Jahren 1933 bis 1954 arbeitete Thea von Harbou offiziell an insgesamt 32 Filmen als Drehbuchautorin mit. Entweder schrieb sie alleine das Buch oder bearbeitete (bzw. überarbeitete) das Skript eines anderen Autors. Es gibt aber eine ganze Reihe von Filmen dieser Zeit, an deren Entstehung sie auch beteiligt war, obgleich ihr Name später im Vor- oder Abspann bzw. in den offiziellen Filmografien nicht auftaucht.
Einige ihrer sozusagen inoffiziellen Drehbucharbeiten stellen wir in nächster Zeit im Blog vor, mit dem Ziel der Erstellung einer Liste 'Thea von Harbou. Inoffizielle Drehbucharbeiten. Drehbuch, Bearbeitung, Mitarbeit (1933-1954)'. (... wird fortgesetzt)