29.1.07

M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER als Hörspiel erschienen

Das komplexeste Drehbuch, das Thea von Harbou je geschrieben hat, war für den Film M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER (1931) (Regie: Fritz Lang). Der Film skizziert mit suggestiven Bildern, wie eine Mordserie an Kindern eine Stadt in Angst und Schrecken versetzt, wie dadurch Verfolgungswahn und latenter Hass freigesetzt werden. Da der Mörder die alltägliche Ordnung, auch die der Kriminellen, auf das Empfindlichste stört, wird er nicht nur von der Polizei, sondern auch von der Unterwelt gejagt - und gefasst.
In dem Anfang 2007 im AUDIO VERLAG erschienenen gleichnamigen Hörspiel werden um die Originalstimmen der beiden Schauspieler Peter Lorre und Gustaf Gründgens neuinszenierte Szenen gebaut und zusammen mit einer zwischen historischen Stilzitaten und elektronischen Clicks & Cuts oszillierenden Musik zu einer zeitgemäßen Erzählform verwoben. Ins Hörspiel eingefügte Auszüge aus Polizeiakten weisen darauf hin, dass die Filmhandlung auf einem historischen Kriminalfall beruht.
Bearbeiter des Hörspiels ist der Verleger Michael Farin, belleville Verlag, u. a. auch Co-Autor des Films DER TOTMACHER, zudem Bearbeiter zahlreicher Hörspiele und Hörspieladaptionen, z. B. Klaus Manns ‚Mephisto’ und Thea von Harbou / Fritz Langs ‚Metropolis’.

21.1.07

Vergessene Drehbucharbeiten 1933 (2): VIKTOR UND VIKTORIA

Die Travestie-Kömodie VIKTOR UND VIKTORIA, die am 23.12.1933 im Berliner Gloria-Palast uraufgeführt wurde, wird bis heute ausschließlich mit dem Namen Reinhold Schünzel in Verbindung gebracht. Firmiert dieser doch in offiziellen Filmografien nicht nur als Regisseur, sondern auch als Drehbuchautor dieses UFA-Films (Herstellungsgruppe Alfred Zeisler).
VIKTOR UND VIKTORIA erzählt die Geschichte von zwei Kleindarstellern, Viktor Hempel und Susanne Lohr. Viktor tritt im Kabarett als Damen-Imitator ‚Monsieur Viktoria’ auf. Als er erkrankt, springt Susanne Lohr - mit Erfolg - für ihn ein. Bei einer Tournee, die sie nach London führt, verdreht Susanne im Frack allen Frauen den Kopf, bis jemand ihrem Spiel auf die Schliche kommt. Während der echte Viktor einem Nummerngirl der Revue nachstellt, wird der falsche Viktor durch Mannbarkeitsproben enttarnt. Schließlich muss Viktor Hempel am Schluss selbst als ‚Viktoria’ in der Revue einspringen.
Im Juni 1933 erwarb die UFA über Reinhold Schünzel die Rechte an dem Stoff, der zu dieser Zeit noch GEORG UND GEORGETTE betitelt war und der von Anfang September bis Ende November 1933 verfilmt wurde. Er erhielt hierfür und für seine gleichzeitige Mitarbeit an dem Drehbuch 13.000 RM. Was aber bis heute unbekannt ist: "Ferner genehmigt der Vorstand die Erteilung eines Drehbuchauftrages an Frau Thea von Harbou zu einem Pauschalhonorar von 12.000 RM." (UFA-Protokoll Nr. 926, 23.06.1933, Bundesarchiv Berlin). Am 22. Juli 1933 traf die UFA mit Reinhold Schünzel eine zusätzliche Vereinbarung, wonach er für seine Mehrarbeit, „welche er durch den Fortfall der Mitarbeit von Thea von Harbou an dem Manuskriptstoff zu leisten hat, zu dem für die Manuskriptarbeit festgelegten Honorar eine zusätzliche Zahlung von 3.000.- -RM erhält, … (UFA-Protokoll Nr. 935, 15.08.1933, Bundesarchiv Berlin).
Warum die Zusammenarbeit zwischen Thea von Harbou und Reinhold Schünzel nicht funktionierte oder welche anderen Gründe für den ‚Ausstieg’ von Thea von Harbou maßgebend waren, geht aus den UFA-Protokollen nicht hervor. (... wird fortgesetzt)

17.1.07

Vergessene Drehbucharbeiten 1933 (1): WALZERKRIEG

1933 beschloss der Vorstand der Universum-Film AG (UFA), für die Fertigstellung des 3. Aktes des Drehbuches für den Film WALZERKRIEG Thea von Harbou zu verpflichten. Man war bereit, hierfür bis zu 5.000 RM zu bezahlen, nach Möglichkeit sollte aber billiger abgeschlossen werden. (Vgl. UFA-Protokoll Nr. 912, 04.05.1933, Bundesarchiv Berlin). Ob es zu dieser Arbeit am 3. Akt gekommen ist, geht aus weiteren UFA-Protokollen nicht hervor. Als offizielle, alleinige, Drehbuchautoren dieser Günther Stapenhorst-Produktion der UFA werden heute Hans Müller und Robert Liebmann genannt.
WALZERKRIEG, der am 4. Oktober 1933 uraufgeführt wurde, erzählt vom Streit zwischen dem Walzerkönig Joseph Lanner und seinem noch unbekannten Geiger Johann Strauß. Es kommt zum Bruch. Strauß wird nach London engagiert und hat dort seine ersten Erfolge. Durch das zunächst unglückliche Eingreifen von Lanners Tochter kommt es aber schließlich zur Versöhnung.
Ein weiteres Indiz für die Mitarbeit von Thea von Harbou ist ein sehr persönlicher gehaltener Brief von ihr an den Regisseur des Films, Ludwig Berger, geschrieben am 25.05.1933, also kurz vor Beginn der Dreharbeiten im Juni 1933. In diesem Brief schenkt sie ihm zwei Ming-Vasen und empfiehlt ihm, diese, falls sie ihm nicht gefallen sollten, jemanden an den Kopf zu werfen, auf den er ‚eine gesunde Wut’ habe: „An Objekten dazu wird es Ihnen ja nicht fehlen“. (Brief von Thea von Harbou an Ludwig Berger, Berlin, 25.05.1933 – ‚Ludwig Berger-Archiv’ der ‚Akademie der Künste’, Berlin). Ein möglicher Hinweis auf die Schwierigkeiten, die es bei der Fertigstellung des Drehbuches gab und für deren Beseitigung man Thea von Harbou ‚einschaltete’. Standfotograf bei dieser Produktion war übrigens ihr Bruder Horst von Harbou. (... wird fortgesetzt)

5.1.07

Aufblühender Lotos. Roman von Thea von Harbou

von Dr. Lothar Günther

Aufblühender Lotos, dieser zweite Indien-Roman Thea von Harbous, erschien im Kriegsjahr 1941 im Deutschen Verlag (Berlin). Im Unterschied zu Das Indische Grabmal von 1917, bei dem es sich um phantastisch-abenteuerliche Literatur handelt, hat Aufblühender Lotos eine reale politische Bedeutung: Es ist eine literarische Anklage gegen ein Stück britischer Kolonialgeschichte und stellt eine entschiedene Befürwortung des sich entwickelnden Freiheitskampfes des indischen Volkes dar. Das Werk kann insofern als ein politischer Unterhaltungsroman bezeichnet werden. Ansprechend ist das Werk dabei vor allem in den Abschnitten, wo Thea von Harbou indische Geschichts-, Landes- und Menschenkenntnisse einbaut und darstellt. Abstoßend wirkt heute jedoch der antibritische Charakter des Romans, der jedoch der Veröffentlichung während des Zweiten Weltkrieges zuträglich gewesen sein mag.
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