13.2.07

Thea von Harbou und 'ihre Inder': Karitatives Wirken im Zweiten Weltkrieg

von Dr. Lothar Günther, Berlin

Nach einer ersten, einer literarischen Berührung mit Indien - in ihrem 1918 erschienen phantastisch-abenteuerlichen Roman Das Indische Grabmal - kam es 16 Jahre später für Thea von Harbou zu einer zweiten, einer realen Berührung mit Indien und einem Inder: Gut 16 Jahre jünger war der gut aussehende, kluge und charmante indische Doktorand Ayi Ganpath Tendulkar, den sie Anfang 1933 in Berlin kennen lernte. Der Sohn eines Brahmanen, 1905 in Belgunde nahe Bombay geboren, war 1927 nach Deutschland gekommen und hatte sich an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin für die Fächer Philosophie und Mathematik eingeschrieben. 1930 stellte er aber dann den Antrag auf eine Promotion im Fach Staatswissenschaften. Als Anhänger Gandhis und Unterstützer des Freiheitskampfes gegen die britische Kolonialherrschaft wirkte er als Sachverständiger für Indienfragen im Mitarbeiterkreis der Weltbühne. Das beginnende Liebesverhältnis zwischen der prominenten Drehbuchautorin und dem indischen Studierenden fiel somit genau in die Zeit des Regierungsantritts der Nationalsozialisten. Da Thea von Harbous Ehe mit dem Regisseur Fritz Lang nur noch auf dem Papier bestand und dieser schon lange mit anderen Frauen liiert war, war die Scheidung im Frühjahr 1933 eine Formalität, die jedoch einer Begründung bedurfte, die Thea von Harbou auf sich nahm: Sie wurde schuldig geschieden. Frau von Harbou konnte nun jedoch mit A. G. Tendulkar zusammenziehen. Es war durchaus mutig von Thea von Harbou, in dieser Zeit, in der es bereits zahlreiche rassistische Übergriffe gegen Inder und indische Einrichtungen in Deutschland gab, sich öffentlich zu einem Ausländer zu bekennen.
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[Das Bild zeigt Thea von Harbou und Michaela Purzner (verh. Sarma) mit Berliner Indern bei einer Geldsammlung (für das Winterhilfswerk?) vor dem Sportpalast am 29. 3. 1941.]