23.4.07

Norbert Jacques’ Tochter erzählt (I)

Norbert Jacques (1880-1954), der einmal ein bekannter Romancier, Reiseschriftsteller, Essayist und Übersetzer war, wird heute wohl nur noch durch seine literarische Figur des Meisterverbrechers Dr. Mabuse erinnert.
Der Machtmensch Mabuse, der in diversen Verfilmungen vierzig Jahre lang auf deutschen Kinoleinwänden sein Unwesen trieb, begann seine 'cineastische Unterweltkarriere' mit der (zweiteiligen und gleichnamigen) Verfilmung des Romans Dr. Mabuse der Spieler durch Fritz Lang und Thea von Harbou im Jahr 1922. Für Harbou und Lang spielte der Mabuse-Stoff dann elf Jahre später noch einmal eine große Rolle: Mit dem vom Propagandaministerium verbotenen Nachfolgefilm Das Testament des Dr. Mabuse endete im Jahr 1933 nicht nur ihre filmische Zusammenarbeit, sondern auch ihre Ehre zerbrach endgültig. Für Fritz Lang war es sein letzter Film in Deutschland, bevor er Ende 1933 nach Frankreich emigrierte.
Über die Arbeit an dem ersten Mabuse-Film ergab sich auch eine Freundschaft zwischen den Familien Jacques und Lang; insbesondere Norbert und Fritz blieben einander über die Jahre verbunden. Von dieser Zeit weiß nun die heute beinahe neunzigjährige Jacqueline (Aurikel) Hannighofer zu berichten, die Lang in ihrer Kindheit bzw. Jugend persönlich kennenlernte und 1935 auch über einige Monate hinweg im Harbouschen Haus in Berlin-Dahlem verkehrte.
HÖRPROBE
Norbert Jacques’ Tochter erzählt (I)
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In dem im Januar 2007 aufgezeichneten Interview kommt sie neben Thea von Harbou, Ayi Tendulkar und Fritz Lang auch auf ihren Vater zu sprechen. In dem hier vorliegenden Gesprächsausschnitt erinnert sie sich an die Zeit, als sie ein junges Mädchen war und der berühmte Regisseur im Hause ihrer Eltern verkehrte.
Weitere Gesprächsausschnitte aus dem Interview werden hier in loser Reihenfolge erscheinen.

5.4.07

Vergessene Drehbucharbeiten (1944): DAS LEBEN GEHT WEITER

Unter dem Titel ‚Unbeugsam. Einig. Bereit’ und mit der Unterzeile ‚Das Leben geht weiter’ erschien am 16. April 1944 in der Wochenzeitung ‚Das Reich’ ein Leitartikel von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. Artikel und Unterzeile wurden - auf Anweisung von Goebbels selbst - Vorgabe für ein Filmprojekt, das in die Annalen der deutschen Filmgeschichte als letzter Propagandafilm des ‚Dritten Reichs’ eingegangen ist.

Zum ersten Mal sollte in diesem Durchhalteepos der tägliche Horror in den zerbombten deutschen Städten gezeigt werden - aber auch wie sich das deutsche Volk ‚ungebrochen’ wieder aus den Ruinen erhebt. Die Dreharbeiten von DAS LEBEN GEHT WEITER (Ufa-Produktionsnummer 205) begannen im November 1944 und sollten bis in den März 1945 hinein dauern.
Der Streifen wurde aber nie fertig gestellt und das bereits gedrehte Film-Material gilt heute weitgehend als verschollen. Im Bundesarchiv-Filmarchiv werden zwei Rollen mit Material des Films aufbewahrt. Auf der einen (nur Ton) sind mehrere Takes einer Dialogszene zu hören, auf der anderen befinden sich mehrere Takes von Rückpro-Einstellungen. Sie zeigen einen Bombenangriff über dem nächtlichen Berlin. Letztere sind in der Dauerausstellung des Filmmuseums Potsdam auf einem Monitor zu sehen (diese Hinweise auf das noch vorhandene Material verdanken wir Guido Altendorf vom Filmmuseum Potsdam).

Weitere Informationen über dieses Propagandaprojekt und den Anteil von Thea von Harbou daran finden Sie hier.