22.5.08

"M" im Berliner Maxim Gorki Theater

Berlin in Hysterie: Ein Kindermörder ist in der Stadt unterwegs. Die Polizei ist ratlos und greift erfolglos zu immer rigideren Kontrollen und Razzien. Davon gestört beschließt ein Kommando der Unterwelt, den Mörder auf eigene Faust zu jagen und stellt ihn schließlich vor ein Lynchgericht.

(Peter Kurth - Leinwand, vorne: Daniel Lommatzsch, Peter Moltzen; Foto: Thomas Aurin)

Thea von Harbous und Fritz Langs Film "M" (1931) ist das Porträt eines Gejagten und das einer Gesellschaft der Jäger, der demokratisch legitimierten auf der einen und der kriminellen auf der anderen Seite. Nur zwei Jahre nach Erscheinen des Films gelang es den Nazis, Staatsgewalt und verbrecherische Demagogie zu einem System des Schreckens zu vereinen. „M“ zeichnet die Fieberkurve Berlins vor der Machtergreifung.

Nach ihren großen phantastischen Filmen „Metropolis“ und „Die Nibelungen“ wollten Thea von Harbou und Fritz Lang mit ihrem ersten Tonfilm ein „Dokument der Zeit“ schaffen, ein möglichst genau recherchiertes Bild der Stadt Berlin. Dass sie sich dafür das Sujet des Serienmordes wählten, spricht für die Zeit, die sie dokumentieren wollten. Vorbild für „M“ waren die Morde des „Düsseldorfer Vampirs“ Peter Kürten, deren beispiellose Brutalität eine ebenfalls bis dato nicht gekannte Medienhysterie auslöste.

Wie gehen wir mit den dunklen Stellen in unserem kollektiven moralischen Bewusstsein um? Die Beteiligten an „M“, der zum erfolgreichsten deutschen Film bis heute avancierte, zogen 1933 sehr unterschiedliche Schlüsse aus der realen Präsenz des von ihnen Vorgezeichneten: Der Regisseur Fritz Lang und der Hauptdarsteller Peter Lorre flohen ins Exil, während Gustaf Gründgens und die Drehbuchautorin Thea von Harbou unter dem Hakenkreuz ihr jeweiliges Schaffen erfolgreich fortsetzten.

In seinem Projekt „M-Eine Stadt sucht einen Mörder“ geht Regisseur Stefan Pucher den seismografisch genauen Beobachtungen des Films und der gegensätzlichen Bewegung dieser Künstlerbiografien nach und zeigt "M" als einen zeitgenössischen Stoff über Paranoia, Gewalt und die Inszenierung von Justiz.

Es spielen: Michaela Steiger; Peter Kurth, Daniel Lommatzsch, Peter Moltzen
Regie: Stefan Pucher
Bühne: Barbara Ehnes
Kostüme: Annabelle Witt
Musik: Marcel Blatti
Video: Chris Kondek

Die Premiere ist am 10. Juni 2008 um 19.30 Uhr im Maxim Gorki Theater Berlin.
Weitere Vorstellungen am 12., 13., 14., 15., 16., 23., 24., 27. und 30. Juni 2008.