29.10.09

“Madam, why don´t you make a film about Bose…!”

von Dr. Lothar Günther

„In an unusual gesture, Dr. Goebbels held a special gettogether of leading German and foreign journalists, to meet some of us from Netajis personal staff. Finding me and Thea von Harbou, who was among the invitees, chatting, the Reichsminister for Propaganda and Public Enlightenment, (his official designation) wearing an unusual broad smile, butted in with words: Madam, why don´t you make a film about Bose. He would make a fine hero!”

Diese Episode aus dem Sommer 1942, als Thea von Harbou in indischer Begleitung auf Dr. Goebbels traf, überlieferte uns der Inder Dr. Mukund Ray Vyas in seinem 1982 in Bombay erschienenen Buch „Passage through a Turbulent Era“. Es war zu dieser Zeit wohl auch schon in führenden Kreisen des Dritten Reiches bekannt, dass Thea von Harbou die indischen Studenten und Freiheitskämpfer in Berlin materiell und politisch unterstützte.

Mukund Ray Vyas hatte von 1941 bis 1943 offiziell an der Berliner „Friedrich-Wilhelms-Universität“ das Fach Auslandswissenschaften belegt, aber sich schon Ende 1941 dem indischen Freiheitskämpfer Subhas Chandra Bose angeschlossen, für den er aufgrund seiner guten Sprachkenntnisse als Dolmetscher und Persönlicher Referent arbeitete.

Als Adolf Hitler am 29. Mai 1942 endlich nach über einem Jahr Wartezeit Subhas Chandra Bose in seiner „Wolfsschanze“ empfing, hatte dieses Gespräch für Bose positive wie negative Auswirkungen. Auf der einen Seite waren damit protokollarische und gesellschaftliche Schranken aufgehoben und führende Minister der Regierung gaben sich jetzt ebenfalls die Ehre, Subhas Chandra Bose zu empfangen oder einzuladen und diese Haltung auf die Mitarbeiter der „Zentrale Freies Indien“ auszudehnen. Andererseits wurde es Bose klar, dass der deutsche 'Führer' niemals eine Erklärung für die Unabhängigkeit Indiens von britischer Kolonialherrschaft und danach abgeben würde. Bei aller Unterstützung der deutschen Seite für die „Zentrale Freies Indien“ und deren Propagandatätigkeit nach Indien sowie für den Aufbau der „Indischen Legion“, änderte Hitler seine insgesamt negative Meinung über den Freiheitskampf der Inder gegen die britische Herrschaft nicht. Das führte Bose zu der Entscheidung, im März 1943 nach Südostasien zu gehen und die größere politische und militärische Hilfe der Japaner anzunehmen, auch um den Preis der Trennung von seiner Frau Emilie Schenkl (beide hatten nach indischem Ritual geheiratet) und der gerade geborenen gemeinsamen Tochter Anita.